Die Krankenstation in Gikore

Die Krankenstation Gikore liegt ganz im Süden der Diözese Butare in Sichtweite der Grenze zu Burundi. Sie wurde 1990/91 mit finanzieller Unterstützung durch die Afrika-Hilfe-Stiftung erbaut. Unsere Station ist zuständig für etwa 16 000 Menschen im Umkreis eines Tagesmarsches.

Wie andere Kranken- und Arzt­stationen auf dem Land verfügt auch Gikore über keine geregelte Lebens­mittel­versorgung. Stationär-Patienten erhalten generell keine Mahl­zeiten. Daher ist es üblich und not­wendig, dass Ver­wandte oder Freunde sie begleiten und im Hof für sie kochen. Ist der Weg für ein tägliches Kommen und Gehen zu weit, schlafen die Begleit­personen neben oder häufiger noch – aufgrund der räum­lichen Enge – unter dem Kranken­bett. In einem Zimmer sind etwa 20 Patienten unter­gebracht.

In der Mütter­schule der Station werden regel­mäßig Schulungs- und Ernährung­sprogramme durch­geführt. Laufend werden 60 – 70 unter­ernährte Kinder „hoch­gepäppelt“ und ihre Mütter lernen, wie sie mit dem wenigen, das ihnen zur Verfügung steht, eine halb­wegs ausgewogene Ernährung gewähr­leisten können.

Für die notwendigen Lebens­mittel müssen die Schwestern selber sorgen. So verfügt die Station auch über eine Farm. Hier werden neben dem Gemüse- und Obst­anbau auch Ziegen, Schweine, Kaninchen, Hühner und – mittler­weile – mehrere Kühe gezüchtet und groß­gezogen.

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Die erste „richtige“ Milchkuh hat die Afrika-Hilfe-Stiftung 2005 finanziert, noch während des ersten Besuches von Jo Küpperfahrenberg in der Station.

Die Farm ist für den Unterhalt der Krankenstation, besonders für die Versorgung der vielen Bedürftigen, der Mütterschule, aber auch für die Ernährung des Personals von zentraler Bedeutung.

Ein Beispiel: Einer bedürftigen Familie wird ein Kaninchenpaar mit nach Hause gegeben. In der kleinen Hütte wird man neben dem eigenen Schlafplatz noch Raum für die Tiere finden. Nach erfolgreicher Vermehrung werden ein paar Junge in der Nachbarschaft verteilt und zwei werden der Krankenstation wieder zurück gegeben.

Da die Arbeit in der Farm nicht auch noch von dem Pflegepersonal übernommen werden kann, wurden Personen aus dem Dorf eingestellt und zu Tierpflegern angeleitet. Ihre Gehälter wiederum werden aus den Erlösen der Tierzucht erwirtschaftet.

Bei seinen Besuchen sieht Jo Küpperfahrenberg immer wieder Frauen, Männer, aber auch Kinder, die mit einem Bündel Brennholz oder Grünfutter in die Station kommen oder dort auf dem Feld arbeiten. Viele Menschen können sich die Kosten für eine Krankenkasse (etwa 3,50 € im Jahr) nicht leisten und haben kein Geld für ihre Behandlung. Nach ihrer Genesung ist es für sie eine Ehrensache, ihren Beitrag in Form von Naturalien (Futter für die Farm) oder als Arbeitseinsatz zu erbringen.

Viele Frauen kommen aber auch freiwillig und gerne, um ihre Arbeit auf dem Feld der Station anzubieten. Sie wollen so ihre Solidarität mit den Schwestern zeigen. Sie wissen, dass auch sie – wenn sie Hilfe brauchen – nicht allein gelassen werden.

Es ist sehr schwierig, für die Aufgaben in dieser abgelegenen Region ausgebildetes Personal zu finden und – mit dem geringen staatlichen Lohn – dauerhaft zu halten. Um die Krankenversorgung dennoch zu gewährleisten, finanzieren wir seit 2007 drei Krankenpfleger/Innen jeweils mit der Hälfte ihres Gehaltes und die einzige Bürokraft komplett.

Aufgrund des großen Bedarfes haben wir die Krankenstation 2010 renoviert und erweitert sowie im Jahr 2011 noch eine weitere examinierte Krankenschwester eingestellt und finanziert.

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Noch immer ist Malaria die Haupttodesursache bei den Kindern. Doch ein riesiges Problem im Einzugsgebiet auch dieser Station ist Aids. Viele Kinder werden während der Schwangerschaft und mehr noch bei der Geburt infiziert; viele verlieren schon bald ihre Eltern.

Das von uns finanzierte Haus, in dem die Aidskranken – ein wenig separiert von den anderen – erfasst, medizinisch behandelt und beraten wurden, reichte nicht mehr aus.

Die Freunde der Afrika-Hilfe-Stiftung haben in den Jahren 2009 und 2010 mit rund 30.000 Euro den Bau und die Einrichtung eines neuen Beratungs- und Behandlungshauses für Aids-Patienten ermöglicht. Mit dieser Initiative haben wir einen „Stein ins Rollen“ gebracht.

Endlich waren wir in der Lage, Patienten, die mit einer HIV-Diagnose zu uns kamen, mit Medikamenten zu versorgen und zu beraten. Diese Basis hat das ruandische Gesundheitsministerium mittlerweile veranlasst, nun auch ein Diagnose-Zentrum zu installieren. Nun können wir die Patienten von den ersten Symptomen über die Diagnose, Behandlung bis zur Nachsorge aus einer Hand betreuen und beraten. Gikore ist als HIV-Station offiziell anerkannt.

Auch die Mauer und der Zaun um die Station sind von den Freunden der Afrika-Hilfe-Stiftung finanziert worden.

Diese Zusage fiel uns im Vorstand nicht leicht, doch die Sicherheit der Patienten und des Personals machte diese Investition (ca. 14.000 Euro) notwendig.

Regelmäßig treffen LKW-Lieferungen des Welternährungsprogrammes der Vereinten Nationen zur Versorgung der Bevölkerung in Gikore ein: Bohnen, Mehl, Reis, Zucker, Öl und Seife. Dennoch lehnt sich hier niemand zurück und wartet passiv auf Hilfe. Mit der Unterhaltung ihrer Farm (Kühe, Schweine, Hühner, Kaninchen) und dem landwirtschaftlichen Anbau versuchen die Schwestern, ihre Station möglichst autonom zu halten und leisten so ihren Beitrag an unserem gemeinsamen Projekt.

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Offroad-Krankentransport:

In den umliegenden Dörfern sind Transportliegen stationiert. Im Bedarfsfall werden die Patienten von Verwandten oder Nachbarn zu uns in die Station getragen – oft über viele Kilometer.

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Gikore Team

Es ist sehr beeindruckend mitzuerleben, mit wie viel Kraft, mit wie viel Liebe und Wertschätzung – neben aller medizinischen Fachkenntnis – die Schwestern angesichts der immensen Arbeit und der nicht enden wollenden Not, tagtäglich ihre Aufgabe und ihren Dienst an den Menschen erfüllen.

2019

Dank der regelmäßigen Unterstützung durch unser Spender ist die Afrika-Hilfe-Stiftung mit ihren Projekten ein fester Bestandteil in der Gemeinde Gikore geworden. Vielen Menschen konnte durch die Behandlung in der Krankenstation bereits das Leben gerettet werden.

Neben der Finanzierung von drei Krankenpflegern und einer Krankenschwester laufen in Gikore aktuell folgende Projekte, die über die Jahre zur Krankenstation nach und nach dazugekommen sind:

  • Organisation und Finanzierung der Krankenversicherung für etwa 120 HIV-positive Menschen und Aidserkrankte
  • Finanzierung eines Hilfsfonds für mittellose, schwangere junge Mädchen
  • „Mpore“, ein Projekt für betagte, alleinstehende alte Menschen
  • Unterstützung einer Jugend- und Tanzgruppe
  • Unterstützung der Batwa, der Ureinwohner Ruandas:

Einst waren sie Jäger und Sammler und lebten in den hoch gelegenen Wäldern Ruandas und seiner Nachbarregionen. Oft auch als „Pygmäen“ bezeichnet, sind sie genetisch eines der ältesten Völker der Erde und die Ureinwohner des Landes mit einer über Generationen weitergegebenen Kenntnis über die Schätze ihrer Welt, des Waldes, seiner Fauna und seiner Heil- und Nutzpflanzen.

Seit Jahren schwindet ihr traditioneller Lebensraum jedoch durch Landwirtschaft und zunehmenden Siedlungsdruck. Große Bereiche ihrer Heimat wurden zu Naturreservaten erklärt. Die Jäger und Sammler wurden aus den Nationalparks vertrieben. Heute leben viele von ihnen als Bettler oder versuchen sich durch Töpfern über Wasser zu halten. Sie leben am Rande der Gesellschaft. Schon ihren Namen auszusprechen, ist in Ruanda verboten. Ethnien gibt es im öffentlichen Leben des Landes nicht mehr. Die Versöhnungs- und Verdrängungsarbeit nach dem Völkermord 1994 (bei dem auch etwa ein Drittel der ruandischen Batwa-Bevölkerung getötet wurde) und die Angst vor möglichen künftigen Konflikten verlangt das komplette Negieren von Ethnizität „Nie wieder Hutu, nie wieder Tutsi – und nie wieder Batwa“.

Diese – sicherlich wohlgemeinte – Gleichmacherei bedroht die Identität dieses „Pygmäenvolkes“. Nach ihrer Heimat verlieren sie nun ihre Kultur und ihren Namen. Das Uno-Komitee zur Beseitigung der Rassendiskriminierung in New-York warnt bereits vor ihrer völligen Auslöschung. Niemand weiß, wie viele es noch gibt und wo sie genau wohnen.

Seit drei Jahren haben wir Kontakt zu einer etwa 50-köpfigen Batwa-Gruppe, die im Gebiet um Gikore angesiedelt wurde. Nachdem bei unseren letzten Aufenthalten stets eine Delegation von ihnen zum Schwesternhaus kam, um uns zu begrüßen, haben Bea und Jo Küpperfahrenberg in diesem Jahr erstmals einen Gegenbesuch abgestattet. Sie berichten:

„Uns empfingen überaus freundliche Menschen, die in einfachsten Verhältnissen leben und versuchen, ihre Überlieferung und Kultur zu bewahren. Auf den ersten Blick sehen wir bitterste Armut. Sie schlafen auf bloßem Boden, tragen Meterware, mit der sie sich nachts zudecken, tagsüber am Körper. Baumstämme über einer ausgehobenen Grube dienen allen Dorfbewohnern als Toilette. Auf den zweiten Blick spüren wir einen Reichtum, den die Menschen in sich tragen, der uns zunächst verborgen bleibt, den wir vielleicht verloren haben. Glück und tiefste Armut müssen keine Gegensätze sein.

Bei unseren – durch die Schwestern übersetzten – Gesprächen mit den Ältesten des Clans hören wir natürlich auch Wünsche und Bedarfe: Dürfen/können einige Frauen bei den Schwestern das Nähen erlernen? Dürfen einige Kinder zur Schule gehen (ungewöhnlich bei den Batwa)? Wir hören zu, sind offen, wir nehmen uns gegenseitig ernst. An diesem Nachmittag bei den Batwa sind wir die Lernenden und Staunenden.

Wir richten mit Schwester Adeline einen Fonds ein, auf den sie in Absprache mit den Batwa und uns zugreifen können. Wir bleiben in Kontakt, wir freuen uns auf – vielleicht eine neue Partnerschaft.“

  • „Schweineprojekt“: Im letzten Jahr haben wir 1.000 € zur Verfügung gestellt, um Schweine zu kaufen. Von dem Geld konnten 21 Schweine gekauft werden, je eines wurde den ärmsten Familien in Gikore überreicht. Das Ziel: Die Schweine sollen sich vermehren, der Nachwuchs wird dann wiederum an eine andere Familie weitergegeben. So helfen wir den Menschen, untereinander ein Netzwerk aufzubauen und Verantwortung zu übernehmen. Mittlerweile haben bereits 19 Schweine Nachwuchs bekommen, so dass dieses kleine Projekt im wahrsten Sinne des Wortes wunderbare Früchte trägt.

Insgesamt finanziert die Afrika-Hilfe-Stiftung diese Projekte jährlich mit einer Summe von rund 20.000 Euro.

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Ein älterer Mann der Batwa

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